Oberflächenspannung

Nina Plankermann

In Texte Posted

Ausstellung in der Galerie G18

Sayomi Urlichs malt auch gegenständlich, Blumen, Menschen Situationen, und auch die sind in der weitläufigen Galerie G18 ausgestellt. Weniger gefällig, aber interessanter sind ihre Bilder aus einer anderen Werkreihe.

Zunächst wegen ihrer Struktur. Aus zwei Metern Entfernung sieht man sie als Ganzes, als scheinbar gewachsenes Gebilde, durchzogen von Mustern, di ean Korallen oder Nervenbahnen erinnern.

Artikel

Artikel von Tilman Abegg für die Ruhr Nachrichten

Je näher man herangeht, desto feinere Strukturen erkennt man. Schwarz und Weiß, Braun und etwas Gelb sind die vorhherschenden Farben. Betrachtet man sie wiederals Ganzes, nimmt man alllmählich Figuren war, einen Frauenkopf, einen Männertorso, ein Landschaftsdetail. Diese Unschärfe strebt sie an, diese optische Gratwanderung zwischen bildlicher Eindeutigkeit und der individuellen, assoziative Wahrnehmung jedes Betrachters.

“Die Bilder sehen aus wie natürlich entstanden, sind aber Ergebnis von sehr viel Arbeit”

Diese Bilder entstehen in einem nahezu geologischen Prozess. Urlichs beschreibt ihn so: Zuerst grundiert sie die Leinwand vier bis fünf mal, bis die Oberfläche ganz glatt ist. Darauf skizziert sie die Bildelemente wie Menschen- und Tierfiguren und landschaftliche Details – ein Seeufer, einen Hügel, eine Höhle. Dann pinselt sie die Farbe darauf, Ölfarbe mit viel Leinöl, und lässt sie eta einen Tag trocknen.

Dann trägt sie die nächste Farbschicht auf. Je nach Bild schichtet sie die Farbe 20- oder 30- mal. Wenn alles trocken ist, sticht sie die Oberfläche mit einer feinen japanischen Nadel auf und zieht haarfeine Gräben hinein, die hinterher wie natürlichen Risse aussehen. Schließlich malt sie mit einem sehr feinen Pinsel die letzten sommersprossengroßen Punkte auf die hinterher ebenfalls wie zufällig beim Trocknen entstanden aussehen.

Den Erlös der verkauften Bilder spendet sie oft, erzählt Urlichs. Die Dortmunder Musikschule habe schon mal Geld erhalten, diesmal habe sie Schulen in Polen als Empfänger ausgesucht.